Franken-DNA

Die Ursprünge fränkischer Familien(namen)

Wenn ich an dieser Stelle von „fränkisch“ spreche, beziehe ich den Süden Thüringens mit ein, also Schmalkalden-Meiningen, Suhl, Hildburghausen und Sonneberg.

Es soll hier in erster Linie um die väterliche Linie unserer Familien gehen, denn so wurde früher der Familienname traditionell weitergegeben, sofern ein unehelicher Vater nicht unbekannt war oder nicht genannt werden wollte (natürlich gab es auch viele Fälle von Kuckuckskindern, also wo der vermeintliche [und im Kirchenbuch genannte] Vater nicht wusste, dass der biologische Vater ein anderer war, aber dazu später mehr).

Die Erkenntnisse der herkömmlichen Ahnenforschung (Standesämter, Kirchenbücher, Archivalien) sollen mit einem speziellen Test des Y-Chromosoms (dieses Chromosom wird immer vom Vater an die Söhne vererbt) verknüpft werden. Dieser Test ermöglicht keine Aussagen zu näheren Verwandten, wie es bei autosomalen Tests der Fall ist, sondern ausschließlich zur väterlichen Linie.

Die Testfirma meiner Wahl ist die Berliner Firma YSEQ (Abkürzung für Y-Chromosom-Sequenzierung) mit eigenem Labor. Die Tests werden also nicht in die USA oder andere Länder verschickt. Der in Rede stehende Test ist folgender: https://www.yseq.net/product_info.php?cPath=27&products_id=56898 . Die Ergebnisse erscheinen in keiner Datenbank und es erfolgt somit auch kein „Matching“ – niemand kann die Ergebnisse sehen. Auf dieser Seite hier werden sie später lediglich mit Nachnamen genannt sowie dem Wohnort des ältesten bekannten Vorfahren in der väterlichen Linie (Urgroßvater, Ur-urgroßvater usw.).

Wer sich noch nie mit dem Thema „Haplogruppen“ beschäftigt hat: Eine Haplogruppe ist nichts anderes als eine Hilfsbezeichnung für einen gemeinsamen Vorfahren aller seiner Söhne, Enkel, Urenkel usw.. Tatsächlich haben alle heute lebenden Männer einen gemeinsamen Vorfahren in der rein väterlichen Linie. Dieser lebte allerdings schon vor ca. 160.000 Jahren – in Afrika.

Die Ausbreitung der Haplogruppen wird seit vielen Jahren erforscht. Was allerdings nach wie vor fehlt, ist die kleinteilige Ausbreitung. Man weiß ungefähr, wann welche Gruppen von Homo Sapiens nach Europa eingewandert sind und wie sie sich ursprünglich verbreitet haben (eine recht ordentliche Grafik kann man sich hier anschauen: https://www.ahnen-spuren.de/dna-analyse/img/HaplogroupsEurope.png/image_view_fullscreen ), es lassen sich aber kaum geschichtliche Ereignisse damit kombinieren und es existieren alle möglichen Spekulationen darüber.

Auf der Suche nach meinen eigenen Wurzeln stellten sich zwei für mich erstaunliche Erkenntnisse heraus: zum einen ist meine Familie (Herbach) eine ur-fränkische Familie, zum anderen haben wir keltische Vorfahren, keine germanischen, wie ich es angenommen hätte. Es wurde aber noch verrückter: es gibt eine ganze Reihe fränkischer Familien, die sich mit uns einen gemeinsamen Vorfahren teilen, der Ende des 5. Jahrhunderts lebte. Das ist erstmal nicht so ungewöhnlich, aber da wir alle typisch deutsche Namen tragen und die nachvollziehbaren Stammbäume (bei Auswandererfamilien kann das schon manchmal sehr schwierig bis unmöglich sein) auf verschiedene Orte in Franken zurückgehen, sollte dieser Mann bereits hier gelebt haben! Ich versuche nun also, den möglichst genauen Ort herauszufinden.

Meine Theorie ist, dass es im nahen Umkreis seines damaligen Wohnortes (der ja vermutlich nicht mehr existiert) eine Häufung der Haplogruppe geben muss, die mit unterschiedlichen Familiennamen einhergeht, denn die Familiennamen wurden erst im späten Mittelalter benannt. In unserem Fall sollte dieser Ort irgendwo zwischen Bamberg und Coburg gelegen haben, vielleicht also an der Itz – eine unserer Familien stammt aus Gleusdorf an der Itz, Gemeinde Untermerzbach, Landkreis Haßberge.

Unter dem Strich sollte es auf diesem Weg möglich sein, die Entstehungszeit unserer Familiennamen zu rekonstruieren und gleichsam die Geschichte der Besiedlung Frankens. Historisch bedeutend war in diesem Zusammenhang der Sieg des fränkischen Königs Theuderich I. über das Reich der Thüringer im Jahr 531 (Schlacht an der Unstrut), der das Ende des Thüringerreichs besiegelte. Leider gibt es aus dieser Zeit, dem beginnenden Frühmittelalter, kaum Schriftzeugnisse. Bedeutend aber dürfte bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Grafschaft Henneberg gewesen sein, die sich anfangs über ein weit größeres Territorium erstreckte (so wurde Bamberg nach der Babenburg auf dem späteren Bamberger Domberg benannt, wovon sich der Name des Grafengeschlechts der Babenberger ableitete).

Vollkommen offen ist auch noch die Frage, ob man aus bedeutenden Haplogruppen (mit vielen Nachkommen) eine Zugehörigkeit zu Stammesverbänden der Germanen, Kelten, Slawen usw. ableiten kann.

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